Leitlinien SEAD

„Gehe ich vor dir, dann weiß ich nicht, ob ich dich auf einen richtigen Weg bringe.
Gehst du vor mir, dann weiß ich nicht, ob du mich auf den richtigen Weg bringst.
Gehe ich neben dir, werden wir gemeinsam den richtigen Weg finden.“
 

Südafrikanisches Sprichwort

 

Sustainability (Nachhaltigkeit):

Sehen wir uns die natürlichen Ressourcen der Erde an, müssen wir erkennen, dass diese begrenzt sind. Ebenfalls können wir nicht auf Kosten zukünftiger Generationen und des globalen Südens leben. Nachhaltigkeit zielt somit auf Entwicklung, die die Lebensqualität der gegenwärtigen Generationen sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält. Das Streben nach Gerechtigkeit, in Bezug auf die Verteilung von Reichtum und Entwicklungschancen, muss Aufgabe der ganzen Gesellschaft werden. Dazu zählt auch eine gesellschaftliche Entwicklung, die ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig ist. SEAD möchte durch nachhaltige Projekte im Bereich der Landwirtschaft in Bamenda zusammen mit dem Waisenhaus einen Beitrag dazu leisten und ein neues Bewusstsein für eine nachhaltige Entwicklung schaffen. Die Projekte zielen dabei auf die finanzielle Unabhängigkeit des Good Shepherd Homes. Durch den Verkauf von erzeugten Produkten vor Ort sollen die Gewinne für die Selbstversorgung genutzt werden. Dabei muss stets der Zusammenhang zwischen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft berücksichtigt werden. Es gilt: kein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Fortschritt ohne intakte Umwelt- und keine intakte Umwelt ohne gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wohlstand. Nachhaltigkeit ist der Weg, um ein Gleichgewicht aufzubauen, welches auch zukünftigen Generationen zu Gute kommt.

Education (Bildung):

Es wird in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der kostenlose Zugang zu Bildung gefordert. Für viele Kinder und Jugendliche sieht die Realität jedoch ganz anders aus. Bildungsarmut und daraus resultierende Arbeitslosigkeit gehören zu den größten Herausforderungen in Afrika und besonders auch in Kamerun. Aus diesem Grund möchte SEAD einen Fokus auf die Bildung legen, um den Kindern eine Perspektive auf eine sichere und berufliche Existenz in ihrer Heimat zu bieten. Schulbildung ist nicht nur ein Weg aus der Armut, sondern sie ist ein fundamentaler Baustein für die ganze weitere Entwicklung der Kinder. Für alle Schulformen Kameruns gibt es staatliche und private Institute. Ein staatliches Schulangebot steht jedoch nicht automatisch für kostenfreie Bildung. Die finanzielle Unterstützung des Staates ist oft nicht ausreichend, da Kosten für Schulausstattung und Instandhaltung anfallen. Dies ist für die vielen Waisenkinder oft nicht bezahlbar. Die Kinder des Good Shepherd Homes sollen durch Spenden ihre Schulausbildung kostenlos erhalten und in ihren Berufswünschen gestärkt werden. Ebenso soll die Möglichkeit bestehen ein Studium zu beginnen, welches in Kamerun mit hohen Kosten verbunden ist. Mit einem Studium steigen die Chancen auf eine Arbeitsstelle und der weitere Lebensweg kann durch eine selbstständige Versorgung gesichert werden. Wir möchten die jungen Erwachsenen auf ihrem Weg stärken und ihnen durch finanzielle Unterstützung in ihrer beruflichen Laufbahn die Chance geben, zu MultiplikatorInnen in ihrer Gesellschaft heranzuwachsen, um ihr eigenes Land positiv mitgestalten zu können.

Agriculture (Landwirtschaft):

Am Wichtigsten ist der landwirtschaftliche Sektor in Kamerun. Dieser nimmt den größten Teil in der Wirtschaft ein. Dennoch hat das Land, hinsichtlich seiner Selbstversorgung mit Lebensmitteln, große Probleme und die bäuerliche Landwirtschaft wurde lange vernachlässigt. Neben der Subsistenzlandwirtschaft, welche auf die Selbstversorgung zielt, ist auch der Anbau von „Cash-Crops“ wie Kakao, Kaffee, Baumwolle, Bananen und Palmöl weit verbreitet. Die „Cash-Crops“ werden hauptsächlich für den internationalen Export in Industrieländer angebaut und liegen oftmals in den Händen von großen und privaten Konzernen. Die Nahrungsmittelproduktion ist abhängig von den Kleinbauern, konkurriert jedoch mit der „Cash-Crop“ Produktion, da diese Land und Ressourcen für den eigentlichen Eigenbedarf wegnehmen. Wir möchten im Good Shepherd Home die Subsistenzlandwirtschaft durch bereits bestehende und neue nachhaltige Projekte fördern und ausbauen. Das Waisenhaus versorgt die Kinder weitgehend durch eigenen, landwirtschaftlichen Nahrungsanbau und kann durch den Verkauf Einnahmen sichern. Gemeinsam sollen die Projekte effizienter, nachhaltiger und ertragreicher werden, sodass eine landwirtschaftliche Selbstversorgung gesichert ist.

Development (Entwicklung):

Durch Ansätze der Entwicklungszusammenarbeit sollen die Unterschiede in der sozio-ökonomischen Entwicklung und den allgemeinen Lebensbedingungen dauerhaft und nachhaltig abgebaut werden. Als Grundprinzip steht hierfür die „Hilfe zu Selbsthilfe“. Durch Empowerment und anfänglicher finanzieller Unterstützung soll das Waisenhaus befähigt werden, sich selbst zu versorgen. Es soll dabei nur so weit unterstützt werden, wo eigenwirtschaftlich noch Defizite bestehen. Der Begriff „Entwicklung“ muss kritisch betrachtet werden, da er häufig neo-koloniale und eurozentristische Strukturen manifestiert. Eine Hierarchie zwischen uns und „Afrika“ wird aufrechterhalten, was sich in der internationalen Arbeit auswirken kann und die Ausbeutung des globalen Südens durch die Industriestaaten widerspiegelt. Wir müssen uns bewusst machen, wie sich die globalen Zusammenhänge konkret auf unsere Arbeit auswirken und uns diesen Kontext stets vergegenwärtigen. Aus diesem Grund ist uns eine gerechte, partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe sehr wichtig und unser Team wird durch kamerunische Verantwortliche des Good Shepherd Homes in Bamenda vertreten. Bei Entscheidungsprozessen wird das Waisenhaus stets miteinbezogen. Wir möchten interkulturelle Kommunikation durch einen stetigen Austausch, Erfahrungen und unterschiedlichen Hintergründen fördern. Projekte werden gemeinsam vor Ort mit Vereinsmitgliedern und dem Waisenhaus entwickelt, reflektiert und evaluiert. Die Zusammenarbeit und ein gegenseitiges voneinander Lernen sind somit Grundlage unserer Arbeit. Wir möchten ebenso durch politisches Engagement (Workshops, kulturelle Angebote, Vorträge) und interkulturellen Austausch mit Kamerun, Vorurteile abbauen, Interkulturalität fördern und einen positiven Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit leisten.